Wie man Bauhaus und Disco unter einen Hut bringt (?)

Der neueste Neuzugang von ADVOLAT kommt mit dem etwas sperrigen Namen „BAUHAUS 3 Disc-O“ daher. Der Name scheint zweigeteilt – war Advolat früher vor pure, schlichte Bauhaus-Uhren bekannt, kommt jetzt also eine Uhr, die im Namen klar auf „Disko“ anspielt.

Disko und Bauhaus – geht das zusammen? Wir werden sehen.

Das „Zifferblatt“ – welches weder Ziffern noch sonstige Markierungen hat – gibt es in zwei Versionen: die Disc-O Points zeigt lediglich zwei graue Punkte für die Stunde und die Minute. Die Disc-O Colors hingegen zieren ein gelbes Dreieck, ein rotes Quadrat, und ein blauer Kreis. Manchen von Euch wird das schon jetzt etwas sagen, aber dazu später mehr.

Insbesondere bei der „Colors“ fragt man sich zunächst:
bei diesen ganzen Farben und Formen, kann das wirklich als Bauhaus-Design durchgehen? Im Sinne der Reduktion aufs Wesentliche tut die Disc-O allerdings durchaus gute Dienste. Da wäre zum Beispiel der versteckte Bandanstoß: 

Eigentlich ist es erstaunlich, dass immer noch 99% aller Uhren sichtbare Bandanstöße haben, größtenteils deutlich ausgeprägt, teilweise sogar ausladend. Technisch gesehen sind diese ein Relikt aus grauer Vorzeit, wo es eben am einfachsten war, ein rundes Gehäuse herzustellen und dann einen Bandanstoß in Form von „Henkeln“ anzuflanschen. Das 41mm-Gehäuse der Disc-O ist einfach nur ein Kreis, oben und unten kommt das komplett glatte Lederarmband heraus, sonst nichts. „Form follows function“ wäre hier durchaus verwirklicht. 

Aber das ist nicht der einzige Zopf, den Advolat abschneidet. Auch die Zeiger wurden gestrichen – oder besser gesagt, durch komplett durchsichtige, mithin unsichtbare Scheiben ersetzt, auf denen die Anzeigen für Minuten und Stunden aufgebracht sind. Damit schweben sie fast schon magisch über dem monochromen Zifferblatt. Gewissermaßen erinnert die Anzeige mehr an eine Smartwatch als an eine Uhr aus dem analogen Zeitalter. 

Ein alter Trick, der immer wieder neu fasziniert – die Disc-O sollte man unbedingt in die Hand nehmen, die Krone ziehen und drehen, und dabei beobachten, wie die Marker über das schwarze Zifferblatt flitzen.

Natürlich hat auch die Disc-O ein ganz normales Zeigerwerk, aber dieses wurde geschickt durch einen Unterglasdruck abgedeckt, der entweder Ton-in-Ton (Variante „Points“) oder bunt (Variante „Colors“) daherkommt. Dadurch, und weil man die Tiefe der transparenten Scheiben nicht wahrnehmen kann, wird der Blick voll und ganz auf die Stunden und Minuten gelenkt. In punkto Konzentration auf das Wesentliche hat Advolat hier ganze Arbeit geleistet.

Aber woher kommen denn nun diese gelben, blauen und roten Quadrate, Kreise und Dreiecke? Dazu müssen wir zurückgehen ins Jahr 1911, in dem der berühmte Maler und Kunsttheoretiker Wassily Kandinsky seine Farbentheorie veröffentlichte. Seiner subjektiven Wahrnehmung nach ernannte er die drei genannten Farben zu den Grundfarben. 1922 wurde Kandinsky an das Bauhaus berufen. Die drei Grundfarben und -formen wurden mithin zum Markenzeichen des Bauhaus, somit schließt sich hier der Kreis (no pun intended).

Fazit

An der Bauhaus 3 Disc-O scheiden sich die Geister. Wir haben selten eine Uhr gesehen, die in diesem Maße gefällt oder nicht gefällt, und es gibt im Prinzip nichts dazwischen. Wer sie liebt, der liebt sie. 

Jedenfalls ist es Advolat gelungen, eine Uhr zu designen, die unterschiedlichste Welten zusammenbringt. Bauhaus und Disko, dezent aber auffällig, schlicht aber verspielt, man möchte fast sagen, bunt und einfarbig zur gleichen Zeit. Bewunderer/innen von Wassily Kandinsky, die auf der Suche nach einer Armbanduhr sind, dürften jedenfalls kaum einen besseren Treffer landen.